Diagnose "fortgeschrittener Brustkrebs"
Vielleicht werden bei Ihnen gerade jetzt Absiedelungen Ihres ursprünglichen Tumors vermutet? Um feststellen zu können, ob bzw. wo sich Tochtergeschwulste gebildet haben, wird Ihr Arzt mit Hilfe verschiedener bildgebender Verfahren nach diesen suchen. Sie erfahren hier, welches die wichtigsten Verfahren sind, die er einsetzen könnte.
Entdeckt er in einem Gewebe oder Organ eine verdächtige Region, schließen sich zur Absicherung häufig die Entnahme einer Gewebeprobe aus dieser Region sowie verschiedene Tests an dem entnommenen Gewebe an. Diese Tests werden Ihnen beschrieben und in ihrer Bedeutung erläutert.
Was sind Tochtergeschwulste und wie können sie entstehen?
Einzelne Zellen eines Brustkrebs-Tumors können sich aus dem Zellverband lösen und mit dem Lymph- und Blutstrom in andere Teile des Körpers gelangen. In den meisten Fällen werden die ausgewanderten Krebszellen vom Immunsystem erkannt und zerstört. Überleben jedoch vereinzelte Zellen oder Zellverbände, z.B. weil das Immunsystem sie nicht als Tumorzellen erkannte, können sich die Zellen an neuen Orten „niederlassen“ und wachsen. Diese neuen Absiedlungen heißen Metastasen. Sie finden sich am häufigsten in den Lymphknoten, die dem Tumor am nächsten sind, da diese wie eine Filterstelle auf dem Weg der Tumorzellen in den Körper wirken. Auch in den inneren Organen wie z.B. der Lunge oder der Leber und den Knochen können sich Tochtergeschwulste bilden. Seltener treten sie in der Haut, den Eierstöcken und im Gehirn auf. Ihr Arzt bezeichnet den Brustkrebs nun als „fortgeschrittenen Brustkrebs“.
Ein Tumor kann jedoch nicht nur Absiedelungen an neuen Orten bilden, sondern ein scheinbar völlig entfernter Tumor kann sich an der alten Stelle erneut bilden – aus zurückgebliebenen, einzelnen Tumorzellen. Man spricht dann von einem „Rückfall der Krankheit“, einem „Lokalrezidiv“. Besteht bei Ihnen der Verdacht auf Rezidive oder Metastasen, wird Ihr Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen oder anordnen, um die Tochtergeschwülste zu lokalisieren bzw. den Verdacht zu widerlegen.
Die Untersuchungen
Um feststellen zu können, ob bzw. wo sich Tochtergeschwulste gebildet haben, werden verschiedene „bildgebende Verfahren“ eingesetzt: Röntgen, Ultraschall und Knochen-Szintigraphie.
Röntgen-Untersuchung:
Ihr Brustkorb wird geröntgt um die Lunge auf Metastasen zu untersuchen. Leber-Metastasen lassen sich mit dem Ultraschall oder auf dem Röntgenbild nachweisen. Zur Suche nach Tochtergeschwülsten im Skelett bedient sich der Arzt eines besonderen Verfahrens, der „Knochen-Szintigraphie“. Das ist eine besondere Form der Bildgebung nach Markierung, die hilft, Tochtergeschwulste im Knochen sichtbar zu machen.
Gewebeprobe (Biopsie)
Wird bei diesen Untersuchungen eine verdächtige Region entdeckt, überprüft Ihr Arzt den Befund nochmals und sichert ihn ab. Hierzu entnimmt er mit Hilfe einer feinen Nadel eine Gewebeprobe aus der Region. Man nennt dies eine „Biopsie“. Im Labor werden anschließend hauchdünne Schnitte von diesem Gewebe angefertigt und von einem Spezialisten - einem Pathologen - unter dem Lichtmikroskop betrachtet: Er sucht nach Stellen, an denen die (normale) Gewebestruktur gestört ist und die Zellen und ihre Bestandteile ein verändertes Aussehen zeigen.
Anhand charakteristischer Merkmale bestimmt er, ob es sich bei der Gewebeprobe um eine gutartige Veränderung handelt oder um eine Metastase des Brustkrebses. Ist letzteres der Fall schließt der Pathologe einen besonderen Test an: Mit spezialisierten Molekülen sucht er in dem Gewebeschnitt nach den Empfangs- oder Anlegestellen („Rezeptoren“) für die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron und bestimmt ihre Anzahl. In der Fachsprache heißt das „Bestimmen des Hormonrezeptor-Status“: Ihr Arzt nennt einen Tumor „hormonrezeptor-positiv“ (z.B. Östrogenrezeptor-positiv), wenn die Anzahl der Tumorzellen mit Hormonrezeptoren einen festgelegten Wert (10%) überschreitet.
Im anderen Fall ist der Tumor „hormonrezeptor-negativ“. Meistens entspricht der Hormonrezeptor-Status der Metastasen dem Status des ursprünglichen Tumors in Ihrer Brust.


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